ADHS Autismus Bedürfnisorientiert Neurodivergenz PDA

Was passiert wenn Eltern nicht zusammenarbeiten?

Wenn Kinder im Alltag intensiv reagieren, richtet sich der Blick häufig auf ihr Verhalten. Auf Widerstand, emotionale Ausbrüche, Rückzug oder anhaltende Unruhe. Dabei wird oft übersehen, dass Kinder immer im Zusammenhang ihres Familiensystems reagieren. Ihr Verhalten entsteht im Zusammenspiel von Beziehungen, Stimmungen und wiederkehrenden Interaktionen zwischen den Erwachsenen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Abstimmung zwischen den Eltern.

Wenn Eltern Absprachen treffen, diese im Alltag jedoch nicht zuverlässig umgesetzt werden, entsteht für Kinder eine widersprüchliche Situation. Regeln gelten situativ, Reaktionen unterscheiden sich je nach Elternteil, Erwartungen sind nicht klar vorhersehbar. Für Erwachsene mag das wie ein organisatorisches Problem wirken. Für Kinder bedeutet es anhaltende Unsicherheit.

Das kindliche Nervensystem ist darauf angewiesen, Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit zu erleben. Es orientiert sich weniger an Erklärungen als an dem, was tatsächlich geschieht. Stimmen Worte und Handlungen nicht überein, entsteht eine erhöhte innere Anspannung. Kinder müssen immer wieder neu einschätzen, wie sie sich verhalten sollen und worauf sie sich verlassen können. Diese dauerhafte Anpassung erhöht die Stressbelastung deutlich.

Besonders herausfordernd wird diese Dynamik, wenn ein Elternteil wiederholt emotional überlastet oder dysreguliert ist. In solchen Situationen verändern sich Tonfall, Reaktionsgeschwindigkeit und Entscheidungsfähigkeit. Für Kinder ist diese Unvorhersehbarkeit schwer einzuordnen. Sie reagieren darauf nicht absichtlich oder provozierend, sondern mit Stressreaktionen. Ihr Nervensystem reagiert auf das erhöhte Belastungsniveau im Umfeld.

Erhöhte innere Anspannung zeigt sich bei Kindern auf unterschiedliche Weise. Manche reagieren mit Widerstand, andere mit Rückzug oder emotionaler Überforderung. Auch stark kontrollierendes oder oppositionell wirkendes Verhalten kann in diesem Zusammenhang verstanden werden. Dieses Verhalten ist kein individuelles Defizit des Kindes. Es ist Ausdruck einer systemischen Belastung.

Kinder übernehmen dabei häufig unbewusst eine regulierende Rolle. Ein Beispiel dafür ist ein Kind, das durch intensives Verhalten klare Reaktionen erzwingt, weil diese im Alltag sonst nicht verlässlich erlebbar sind. Auf diese Weise entsteht kurzfristig Ordnung, auch wenn sie für alle Beteiligten belastend ist.

In vielen Familien entsteht in dieser Phase ein innerer Konflikt zwischen den Eltern. Wer setzt mehr um. Wer ist konsequenter. Wer trägt die Hauptlast. Diese Dynamik erhöht den Druck auf alle Beteiligten und lenkt vom eigentlichen Kern der Problematik ab. Aus systemischer Perspektive führt die Suche nach Schuld nicht weiter.

Häufig sind beide Eltern erschöpft, nur in unterschiedlicher Ausprägung. Eigene Prägungen, Stressbelastung, fehlende Pausen und ungleiche Verantwortungsverteilung verstärken sich gegenseitig. Kinder werden dabei oft in Loyalitätskonflikte hineingezogen oder übernehmen Aufgaben, die eigentlich bei den Erwachsenen liegen.

Kinder benötigen keine perfekten Eltern. Sie benötigen Erwachsene, die sich in ihrer Grundhaltung ausreichend einig sind. Absprachen müssen realistisch sein und auch in belastenden Situationen umgesetzt werden können. Unterschiede in der Sichtweise dürfen benannt werden, ohne dass Kinder diese Spannungen regulieren oder Verantwortung übernehmen müssen.

Entlastung entsteht dann, wenn Eltern wieder verlässlich handlungsfähig sind. Dazu gehört, eigene Grenzen wahrzunehmen und rechtzeitig Unterstützung einzubeziehen, bevor sich Überforderung im Familiensystem verfestigt.

Die Regulation von Kindern beginnt nicht beim Kind. Sie beginnt in der Abstimmung zwischen den Erwachsenen. Je klarer, verlässlicher und konsistenter diese Abstimmung ist, desto weniger müssen Kinder innere Unsicherheit über ihr Verhalten ausgleichen.

Ein stabileres Familiensystem entsteht dort, wo Verantwortung bei den Erwachsenen bleibt und Kinder wieder Kind sein dürfen

Wenn du zu den hier beschriebenen Themen Unterstützung im Alltag suchst, begleite ich Eltern im Rahmen meiner Elternberatung bei Autismus, PDA und ADHS. Weitere Informationen findest du hier

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